Ich bin jetzt seit ein paar Tagen auf der Insel - und habe vermutlich deutlich mehr gesehen als die meisten Touristen in einem Monat.
Liegt einfach daran, dass ich es langweilig finde, immer an einem Ort zu bleiben. Also kachele ich fast den ganzen Tag über die Insel, halte mal an, wenn ich etwas Interessantes oder Schönes sehe; und quassele mit jedem, der nicht schnell genug auf die Bäume kommt. ;)
Chang ist im Grunde ein einziger, großer Urwald, um den man (fast) rundherum eine Straße angelegt hat. "Fast", da die Straße nicht komplett um die Insel führt; ein kleines Stückchen fehlt noch, und zwar "unten", also im Süden.
Das kann ganz schön lästig sein, da ich so für einen Ausflug zu einem knapp einen Kilometer entfernten Ort einen Umweg von gut 60 Kilometern in Kauf nehmen muss.
Ich habe mich mittlerweile in "Bailan Bay" einquartiert, in einer sehr kleinen Einpersonenhütte, in die nicht viel mehr als ein Bett passt. Aber das Ding hat einen Ventilator, eine kleine Klimaanlage und ein eigenes "Bad"; sogar mit warmem Wasser für die Warmduscher dieser Erde. Also für Leute wie mich. ;)
Von der Straße aus sieht das "Bailan View Resort" eher wie eine fiese Baustelle aus. "Drinnen" aber erstreckt sich ein wunderschöner grüner Garten. Ich bin von Anfang an komplett allein hier; der einzige Gast. Das passt mir einigerseits richtig gut in den Kram, da ich ja recht gerne allein bin - aber nachts ist's hin und wieder schon ein etwas komisches Gefühl. :)
Derzeit sitze ich gut mit Antistechviechlotion eingeschmiert auf meiner Veranda, höre weit entfernt ein paar Thai-Stimmen, hin und wieder ein Moped auf der Straße, sonst nur Grillengezirpe und - Tokehs. Dazu später.
Fast alles andere an Touristen vergnügt sich in Bars und Nachtclubs, die es in erster Linie am "Lonely Beach" (der alles andere als lonely, also einsam, ist) und in "White Sands", quasi der Hauptstadt der Insel.
In diesen Orten quirlt das Leben; ein bisschen zu sehr für meinen Geschmack.
Ich falle grundsätzlich etwas auf, da ich nicht die übliche Tourieuniform trage: Frauen tragen knappe Höschen oder einen kurzen Rock, dazu eine Bluse. Die Herren laufen entweder barbrüstig oder im schreiend bunten T-Shirt mit albernen Aufdrucken darauf herum. ALLE tragen so etwas wie lange Shorts. Und alle rennen wie mit Rasierklingen unter den Armen herum, alle ganz fürchterlich stark.
Dazwischen tapsen ein paar etwas ältere Herren und Damen herum, die sich vermutlich so verloren fühlen wie sie aussehen und allesamt keinen besonders glücklichen Eindruck machen. Bisher habe ich niemanden dieser Gruppe mit einem Lachen im Gesicht gesehen; eher missmutig.
Liebe Reisenden jenseits der 40 oder 50: Tut Euch das nicht an !
Wenn Ihr in einem Ort wie "White Sands" oder "Lonely Beach" absteigt, wird Euch der Urlaub keine Freude bereiten.
Ihr werdet von testosteronschwangeren Jungs und Mädels eingekesselt, werden Euch wie absolute Fremdkörper fühlen. Ihr werden nachts kein Auge zutun, denn in diesen Orten enden die Nächte nicht. BummTschackaBumm die ganze Nacht. Dazu schlechtes, auf jungen Touriegeschmack abgestimmtes Essen, das obendrein noch vier- bis fünfmal so viel kostet wie anderswo.
Sucht euch ein kleines, verschlafenes Örtchen; Faustregel: Alles, nur nicht White Sands oder Lonely Beach. Mietet Euch dann ein Auto, schaut Euch alles an, Und freut Euch, dass Ihr nicht an die "Hauptorte" gekettet seid.
Auch der Osten der Insel ist einen Besuch wert: Da gibt es zwar keine tollen Sandstrände (mit Ausnahme des "Long Beach" im Südosten der Insel), diese Region wird eher von Thai zum Urlauben aufgesucht.
Dafür gibt es kein Remmidemmi, sondern richtig viel Natur, gutes Essen und nette Leute - wenn man den Kontakt zu den Einheimischen nicht scheut. Und wenn Euch nach Trubel ist - ab ins Auto; mit dem guten Gefühl, jederzeit wieder abhauen zu können.
In Verbindung mit Koh Chang liest man immer noch Dinge wie "Geheimtipp". Klar. Der Geheimtippstatus Changs entspricht etwa dem Mallorcas. Die kleinen Dörfchen, die den Urwald unterbrechen, sind gerammelt voll mit Touristen. Die Dörfchen sehen genau wie alle anderen Touristenhochburgen Asiens aus, teilweise nur etwas kleiner.
Und genau dieselben Sachen wie in anderen Touriezentren gibt es hier auch. Und damit auch genau dieselben Zielgruppen.
Eigentlich ist Chang also nichts Besonderes; aber da auf ein "Eigentlich" immer ein "Aber" folgt: Aber dennoch !
Bisher fühle ich mich hier rundum wohl. Weil ich mir aussuchen kann, ob ich Remmidemmi oder Abgeschiedenheit haben möchte.
Und weil es den allgegenwärtigen Dschungel gibt, der Chang zu etwas Besonderem macht.
Koh Chang ist etwa 30 Kilometer lang, 13 breit. Menschen findet man nur an der Küste, auf einem relativ schmalen Streifen von vielleicht 500 Metern Breite; manchmal mehr, manchmal deutlich weniger.
Fast sämtliche Dörfer Changs liegen an derselben Straße, der Hauptstraße, welche die gesamte Insel umgibt. Diese Straße ist Zentrum eines jeden Dorfes und Dörfchens, hier knubbeln sich die Touriefreuden: Es gibt kleine und etwas größere Restaurants, Hotels, Kneipen, Bars, Klamottenläden, Supermärkte und Supermärktchen, Resorts für den kleinen bis sehr großen Geldbeutel, Elefantencamps, kleine Agrarflächen, Palmenhaine, Gummibaumplantagen, Bananenstauden, Mangobäume - also alles, was sich für eine tropische Insel gehört.
Die meisten Geschäfte verkaufen den üblichen Touristenramsch; authentische Koh-Chang-Souvenirs aus China, T-Shirts mit "coolen" Sprüchen, Badeschlappen aus Plastik, Wasserbälle, Strandmatten, Sonnenbrillen bekanntester Luxusmarkenhersteller zu Spottpreisen, natürlich alle extrem echt.
In den Restaurants an der Hauptstraße gibt es meist Gerichte, die nach echt Thai klingen, in denen aber Falang-Geschmack steckt. Auch wenn man dem Kellner sagt, man möge das Essen bitte "Thai Style" zubereiten, bekommt man dennoch Touriegeschmack.
Das liegt daran, dass sich die Thai nicht mehr trauen, so zu kochen, wie sie es gewohnt sind. Selbst wenn nur noch ein Hauch Schärfe zu erahnen ist, gehen die Falangs auf die Barrikaden, beschweren sich über den "ungenießbaren, viel zu scharfen Fraß" - und weigern sich zu bezahlen.
Daher fährt man zurück und stellt sich auf den Touristengeschmack ein.
Echte Thai-Gerichte bekommt man meist nur abseits der Hauptstraße und in winzigen Restaurants, in die sich kein Tourie traut: Weil es dort keinen Fernseher gibt, keine bequem gepolsterten Stühle, hin und wieder eine fette Kakerlake über die Tische stolziert - oder unangenehme Einheimische dort dreisterweise herumhängen.
Das meidet der Falang, der sich nur unter seinesgleichen richtig wohl fühlt, und einen Urlaub als gelungen betrachtet, wenn er die ganze Zeit in seiner Landessprache quasseln, genau das essen kann, was er von zuhause kennt und mit genau den Leuten zusammen ist, die er auch von zuhause kennt. Der Durchschnittsfalang wünscht sich im Grunde seine Heimat mit tropischer Fototapete drum herum. Und mit billigen Thaimädchen, versteht sich.
Und genau das kann er auf Koh Chang auch bekommen; wenn er will.
Bisher hatte ich keine (KEINE) Kontakte mit anderen Touristen - von mehr oder minder tiefgründigen Gesprächen an der Bar oder dem Höflichkeitsplausch vor der Hotelzimmertür in den ersten Tagen abgesehen. Ich unterhalte mich nur mit Thais - das sind einfach die interessanteren, viel offeneren Gesprächspartner.
Chang ist grün vor Wald und bunt vor Pflanzen. Und Chang verleiht ein ganz besonderes Gefühl: Ich kann es natürlich nicht beschreiben, wie das bei Gefühlen halt so vorgeschrieben ist - aber das Gefühl, nachts allein über die schmale Betonpiste durch den Dschungel zu brettern, umgeben von unbekannten Geräuschen und Gerüchen, angenehmer Kühle und geheimnisvollen Tierstimmen, ist einfach nur überwältigend. Und wenn man dann den Motor seines Mopeds abschaltet, das Licht des Mondes durch die Wipfel der Bäume flutet, fühlt man sich wie mitten im allertiefsten Dschungel. Ganz allein und mittendrin. Kein Wunder - schließlich ist man ja auch mitten im Dschungel.
Ein ganz leicht beängstigendes, gleichzeitig aber auch absolut erhabenes Gefühl.
Fast dasselbe stellt sich auch am Tage ein; einem geht das Herz auf, wenn man durch einen Korridor aus reinsten Grüntönen prescht, die Haare im Wind flattern, die nächste scharfe Kurve plötzlich den Blick auf das Meer freigibt. Einfach unbeschreiblich.
Ich glaube, dass man die Insel wirklich nur mit dem Moped so richtig erleben, im wahrsten Sinne des Wortes erfahren und genießen kann.
Wenn man sich denn nicht auf den Bart legt...
Changs Straße(n) ist/sind nichts für Anfänger. Eigentlich sollte ich mich mit solchen Aussagen fein zurückhalten; ich bin ja selbst Anfänger, besitze nicht einmal einen Mopedführerschein.
Dennoch reiße ich mal schulmeisterlich die Klappe auf.
Changs Straßen sind in schlechtem Zustand; wer aus Mülheim kommt, muss sich nicht großartig umgewöhnen. Da gibt es Schlaglöcher noch und nöcher, gerissenen Asphalt, Sand auf der Straße, Blätter, Pflanzenreste, plattgefahrene Tiere - und Affen, die rotzefrech mitten auf der Straße hocken und dabei ein Gesicht machen wie "Komm doch, Arschloch !".
Die gehen nicht einen Millimeter zur Seite. Ganz schön mutig oder ganz schön blöd.
Auf Chang weiß man nie, was einen nach der nächsten Kurve erwartet: Eine hübsche Gerade zum Aufdrehen, eine extreme Steigung, ein tierisches Gefälle, eine 180-Grad-Kehre oder ein verunfallter Mopedfahrer, der unter seiner Maschine liegt.
In den ersten beiden Tagen sah ich bereits fünf schwere Unfälle. Wobei ich bei einem davon fast gegrinst hätte: Die Proll-Falangs geben sich nicht mit den schnöden "Scootern" zufrieden, mit denen auch der einheimische Pöbel unterwegs ist. Für solche Leute muss es dann eine schwere Maschine, am besten eine Harley sein. Wichtig ist: Unglaublicher Lärm beim Aufdrehen, quasi als motorisierter Balzruf. Wie die Jungs bei uns, die mit UmmpfZischelzischelUmmpfZischelzischelUmmpf durch die Straßen jagen.
Diese spezielle Touriegruppe erkennt man am blanken Oberkörper mit ordentlich Bierbauch auf dicken Motorrädern. Und genau so einen hatte es in einer Haarnadelkurve zerlegt. Nicht schwer, er kam wohl mit dem Schrecken und einer saftigen Reparaturrechnung davon.
Aber ein bisschen reifte in mir schon dieser Geschieht-ihm-recht-Gedanke. Aber den denkt man ja nie bis zu Ende, weil man seltsamerweise annimmt, dass einem selbst dann genau dasselbe passiert.
Es ist verdammt schwierig, sich an Changs Straßen zu gewöhnen. Immer, wenn man meint, man kenne eine Strecke, passiert plötzlich etwas, das zuvor nicht da gewesen war.
Ich kachele um eine Kurve, die ich schon gefühlte 500 Mal gefahren bin, weiß, dass danach eine lange Gerade kommt, beschleunige im Kurvenausgang - und brettere fast in einen Polizeiwagen, der genau hinter der Kurve steht, weil es diesmal ein Auto zerlegt hat. Oder ich heize über eine Kuppe, ebenfalls mit leicht abfallender Gerade dahinter, und kann gerade noch den Wrackteilen eines zuvor havarierten Mopeds ausweichen. Oder es hocken halt Affen auf der Straße, die sich fröhlich am Hintern kratzen, aber keinen Deut zur Seite weichen.
Mit der Zeit gewöhnt man sich daran: Kurve oder Kuppe - bremsen; egal, wie gut man die Strecke kennt.
Ganz gefährlich: Gegenverkehr. Auf Chang fährt man übrigens links.
Mopeds als Gegenverkehr sind kein Problem; außer nachts, weil man dann geblendet wird und nur am ausbleibenden Rumpeln unter den Rädern und dem ausbleibenden Sittich über den Lenker merkt, dass man noch auf der Straße ist.
Autos sind der natürliche Feind des Zweiradfahrers. Und Thai-Autofahrer ganz besonders.
Thais können keine engen Kurven fahren; der Wendekreis eines Thai-Autos entspricht etwa dem Wendekreis eines Hochseeöltankers. Bei voller Fahrt.
Nicht, weil Thai-Autos keine engen Kurven fahren können. Sondern einfach deswegen, weil Thai offenbar Angst haben, das Lenkrad könne abbrechen, wenn man es um mehr als eine Zehntelumdrehung bewegt.
Thais brauchen grundsätzlich beide Fahrspuren zum Bewältigen einer nur halbwegs engen Kurve. Sprich: Sie rauschen grundsätzlich in den Gegenverkehr. Immer.
Wenn Dir also ein Auto in einer der Kurven Changs entgegenkommt: Ganz links, am besten GANZ links bleiben. Oder sicherheitshalber gleich anhalten und notfalls vorsorglich in die Büsche schmeißen. Wer das nicht tut, wird entweder von der Straße gerammt oder macht beim panischen Ausweichen den Abflug in die Botanik.
Warum die Thai so fahren, konnte ich bisher nicht herausfinden. Wichtig ist nur: Sie tun's. Meist auch auf Geraden.
Ein weiteres Phänomen: Man bekommt den Eindruck, Thai-Autos würden nur mit einem Gang ausgeliefert; dem dritten. Thais fahren im dritten Gang an, fahren ständig im dritten Gang - und auch bei Steigungen bleibt es dabei: Mangelndes Drehmoment wird durch ordentlich Gas kompensiert. Daher riecht es überall, wo Autos unterwegs sind, nach verbrannter Kupplung. Und alle paar Kilometer stößt man auf ein havariertes Fahrzeug, das qualmend irgendwo am Wegesrand steht.
Nein, die Thai schalten nicht herunter. Wenn es eine besonders fiese Steigung zu bewältigen gilt, nehmen sie ordentlich Anlauf - und dann volle Pulle im dritten Gang hinauf. Wehe dem, der im Wege steht.
Zweite Variante: Vor Steigungen wird angehalten, der Motor bis zum Drehzahlbegrenzer hochgejagt, dann die Kupplung losgelassen und mit ordentlich Gummi- und Kupplungsabrieb die Steigung hinaufgekreischt.
Ein wahres Erlebnis, wenn mehrere LKWs eine Steigung auf diese Weise zu bewältigen versuchen. Am besten etwas zu knabbern und zu lesen mitnehmen; denn es dauert. Und ordentlich Abstand halten, damit man nicht in einer undurchdringlichen Giftgaswolke aus Gummi- und Kupplungsbelagqualm sein Leben aushaucht.
Die ganz Mutigen fahren auf der Gegenfahrbahn mit Vollgas an solchen Kolonnen vorbei; ich mittlerweile auch.
Früher gab es Schilder, die den Autofahrern vor saftigen Steigungen mitteilten: "Use low gear", also runterschalten. Aber da der Thai nur den dritten Gang kennt, konnte er damit begreiflicherweise herzlich wenig anfangen. Also verschwanden die Schilder und wurden durch solche ersetzt, die per Piktogramm mitteilen: "Achtung, eine Steigung ! Etliche LKWs, die es im dritten Gang versuchen und daher alle paar Meter nicht mehr weiterkommen oder mit weggebrannten Kupplungsbelägen komplett liegengeblieben sind. Möglichst nicht drauffahren !"
Ich habe auch schon gesehen, wie ein an einer Steigung hängengebliebener LKW von einem anderen angeschoben wurde; im dritten Gang, versteht sich.
Thai Style. :)
Wie in allen anderen Ecken Thailands gilt: Helmpflicht, um die sich keine Sau schert. Zumindest kein Einheimischer. Die Touries erkennt man am Helm. Man kann überall ohne Helm entlangpreschen - nur in der Nähe größerer Ortschaften sollte man tunlichst die Eierschale aufsetzen, da hier öfter mal kontrolliert wird. Dazu später. :D
Das Moped, also der Scooter, ist das Verkehrsmittel Nummer eins auf Chang. Das Moped ersetzt die Familienkutsche, teilweise auch den LKW oder Pickup. Nicht selten sieht man ganze Familien, bestehend aus Vater, Mutter und drei Kindern plus Einkäufen auf einem einzigen Moped. Wie die das machen, ist mir absolut schleierhaft. Sie machen es einfach.
Auch sieht man im Osten der Insel des öfteren Thais, die 15 bis 20 Meter lange Holzstangen auf dem Moped transportieren. Keine Ahnung, was die in scharfen Kurven machen. Vermutlich geradeaus durch den Dschungel knattern, bis sie wieder auf die Straße treffen, dann mit zwei, drei Vögeln oder anderem Getier am Spieß. Auch praktisch.
Fahren macht richtig Spaß auf Chang, wenn man sich hin und wieder gerne erschreckt.
Ganz witzig ist es nachts.
Die Scheinwerfer der Scooter kann man auf Abblend- und Fernlicht einstellen. Ab Werk sind die Scheinwerfer so eingestellt, dass der Lichtkegel bei Abblendlicht in etwa 3 Metern Entfernung auf die Straße trifft, bei Fernlicht sind es gefühlte 3,20 Meter.
Da sieht man richtig was.
Wenn man eine der zahllosen Kuppen hinaufjagt, erstreckt sich hinter der Kuppe absolute Schwärze, wie ein Schwarzes Loch, das alles Licht aufsaugt; das Ende der Welt.
Hinter der Kuppe ist nur eins: Abgrund. Also tastet man sich langsam über die Kuppe, bis man Schritt für Schritt mitkriegt, ob es danach im freien Fall hinab bis zum Mittelpunkt der Erde geht, eine Extremkurve anschließt oder tatsächlich eine lange Gerade folgt, die man dank Scheinwerfer 3,2 Meter weit überblicken kann.
Dennoch macht es Spaß; vielleicht gerade deswegen.
Sehr spaßig auch die zahlreichen Brücken, welche die unzähligen kleinen Flüsschen Changs überspannen.
Grundsätzlich kann man auf den laaangen Geraden, die es nur auf der Ostseite der Insel gibt, so richtig den Gashahn aufdrehen, schließlich geht es einfach nur geradeaus. Wenn da nicht die Brücken wären.
Der Übergang zwischen Straße und Brücke ist grundsätzlich ein fieser Huckel, den man oft nur auf den letzten paar Metern davor erkennt. Rattert man mit voller Geschwindigkeit darüber, hebt man schlicht ab und zerschellt am Boden der Tatsachen. Allerdings bekommt man mit der Zeit einen Blick dafür, auf den man sich allerdings nicht verlassen sollte. Am besten: Einen vorausfahrenden Mopedfahrer im Auge behalten: Wenn der abhebt und in einer Wolke aus Lack- und Plastikteilen einen Bausatz aus seiner Maschine macht, sollte man darüber nachdenken, die Geschwindkeit ein wenig zu reduzieren.
Sehr schön auch: Wasser. Die Straßen Changs sind grundsätzlich mit einer leichten Schicht aus Staub, Pflanzenresten und Affenscheiße überzogen. Darauf fährt es sich recht gut. Nicht aber, wenn Wasser im Spiel ist, das LKWs ständig verlieren. Dann wird die Piste zur Eisbahn, gegen die Duponts Teflon raues Schmirgelpapier ist.
Am besten die Einheimischen beobachten: Wenn die bremsen, tun die das nicht zur reinen Belustigung.
Auch nett: Fährt man abseits der Hauptstraße, ändert sich der Straßenbelag oft urplötzlich, am liebsten natürlich gleich nach einer uneinsichtigen Kurve oder Kuppe. Wenn man gerade noch nach Herzenslust über eine Betonpiste jagte, kann sich diese in der nächsten Zehntelsekunde in eine Sandbahn, Geröllhalde oder in extrem groben Rollsplitt verwandeln. Flugstunden garantiert.
Es bleibt also dabei: Kurve oder Kuppe - bremsen. Immer.
Dennoch lohnt es sich, die Hauptstraße zu verlassen und einfach mal in den Dschungel abzubiegen, sofern die Piste einigermaßen befahrbar aussieht. Man gelangt so an Ecken, die teilweise unglaublich schön sind. Da gibt es so etwas wie Alleen mit geschlossenem Blätterdach, Gummibaumwälder, Bananenstaudenhaine, Kokos- und Dattelpalmen- oder Ananasfelder, riesige Wiesen - und die eine oder andere illegale Marihuanaplantage zu entdecken.
Und wenn einem dort überhaupt mal ein Mensch begegnet, ist es immer ein Thai auf einem Moped, der die Augen weit aufreißt, weil er an solchen Stellen niemals einen Falang erwartet hätte. Dann lächelt man und verneigt sich etwas während der Fahrt, grinst sich fröhlich an und fährt seiner Wege. Oder bleibt stehen, raucht eine Zigarette zusammen und plaudert mit Händen und Füßen.
Oberste Regel auf Chang ist: Sei freundlich.
Ich hörte aus allen möglichen Ecken, dass die Thai fast überall ihr Lächeln verloren hätten: "Dank" des Massentourismus und der seltsamen Herrenmenschenmentalität vieler Urlauber, die durch ihren relativen Reichtum im Lande den Massa heraushängen lassen und die Thai wie leibeigene Sklaven behandeln.
Klar, dass die dann nicht mehr lächeln; warum auch ?!
Bisher - und ich hoffe, dass sich das auch nicht mehr ändert - habe ich nicht EINEN unfreundlichen Thai getroffen. Manche Thai begegneten mir anfangs mit Zurückhaltung, tauten dann aber im Nullkommanix auf. So auch eine Masseurin, die anfangs eine Schnute wie fünfzigtausend Tage Regenwetter zog, nach fünf Minuten aber hemmungslos mit mir herumkicherte.
Das ganze Geheimnis: Ich bin Gast und verhalte mich auch so. Ich bin im Land der Thai, ein Fremdkörper, den man ins Land lässt. Natürlich, weil er Geld ins Land bringt. Aber der dafür auch einen Gegenwert bekommt; oft überreichlich.
Ich bekomme tolles Essen, eine wundervolle Landschaft, Sonnenschein, spannende Gespräche mit interessanten Leuten, einen echten Urlaub vom Alltag und ein richtig gutes Gefühl. Und freue mich darüber.
Diese Freude kann ich ganz einfach zeigen; ich zwinge mich nicht zum Lächeln, zu einer Verneigung oder zum typischen Thai-Gruß mit den aneinandergelegten Händen vor dem Gesicht. Ich mache das ganz automatisch, weil ich mich danach fühle und weil ich die Leute hier mag.
Das spüren die Thai vermutlich auch. Und daher konnte ich bisher nur gute Erfahrungen machen; vom einfachen Waldarbeiter über Kellnerinnen und Köchinnen, Barmädels und Bankangestellte bis hin zur Amtsperson in Uniform. Niemals wurde ich schlecht behandelt; immer nur freundlich und zuvorkommend.
Es wäre schön, wenn das so bliebe. Arschlöcher gibt es auch unter den Thai; und wie bei uns erkennt man diese meist am Gesicht und/oder an der Stimme. Da hält man sich dann fern.
So einfach ist das.
Hoffentlich bleibt es so einfach. Und hoffentlich besinnt sich ein Großteil der Touristen darauf, dass man sich hier nicht so aufführen sollte wie unsere ausländischen "Gäste" aus dem Mond-und-Stern-Land bei uns.
Mittlerweile gibt es Gegenden, bei denen ich beim Durchfahren immer ein bisschen mehr Zeit einplanen muss: Ich werde ständig gegrüßt, zum Plaudern angehalten. Heute Abend "muss" ich zu einer Party in Bang Bao, einem Küstendörfchen im Süden. Dreimal musste ich versprechen, auch wirklich zu kommen. Also mache ich's, obwohl ich ja eigentlich nichts Geplantes unternehmen möchte. :)
Dabei werde ich lernen, wie man "Pad Thai" nach Landessitte zubereitet; ich bin noch extra mit der Gastgeberin einkaufen gegangen. Es wird also spannend. :)
Ok, viel Gerede um Freundlichkeit, blödes und gutes Verhalten, das ein bisschen wie Selbstbeweihräucherung klingen mag.
So ist's aber ganz bestimmt nicht gemeint.
Aber das eigene Verhalten ist in Thailand halt der Schlüssel zu einem Urlaub, bei dem man nicht als Goldesel, sondern auch als Freund behandelt wird.
Wer die Thai als Untermenschen ansieht, wird hier keine Freude haben und keine Freunde finden. Aber wer die gänzlich andere Lebensweise mit teilweise recht haarsträubenden Moraleinstellungen einfach hinnimmt, akzeptiert, dass "Reichtum" hier ganz anders definiert wird, der wird sich hier sauwohl fühlen.
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| Kleine Palmenallee im Süden der Insel |
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| Affentheater auf der Straße |
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| Hinterland, etwas abseits der normalen Wege |
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| Gummibäume. Thai-Zitat: "You don't believe - they are making condoms out of it!" |
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| Bucht bei Bang Bao im Süden |
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| Irgendwo auf Koh Chang, nahe Lonely Beach |
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| Es wird dunkel wie im Bärenarsch. Schon bemerkt ? - Der Mond "liegt" hier. |
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| Das ging schief... |
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| Julians spanische Beine mit "Koh-Chang-Tattoos" nach inniger Asphaltbekanntschaft |
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