Richtig gut geht's meinem Arm ! Nach zwei recht "ruppigen" und überaus schmerzhaften Massagesitzungen und einer anschließenden Öl-Ganzkörpermassage (nein, ohne "special") ist mein Arm wieder wie neu. Wo die Medizin auf ganzer Linie versagte, trug die traditionalle Thaimassage einen gloriosen Sieg davon.
Das ist kein Hokuspokus, wie viele westliche Leute nach wie vor glauben (damit meine ich auch Dich, Mutter, hihi) - es wirkt und funktioniert.
Und wenn es nicht gerade um die Behandlung solcher Extremleiden wie bei meinem Arm geht, tut die Thaimassage auch nicht weh, sondern ist durch und durch angenehm.
Da "May Massage" bei mir so klasse funktionierte; so findet man hin:
Von White Sands/Lonely Beach kommend: Bis Bailan Bay; der kleine, fast ganz in Weiß gehaltene Massageladen liegt auf der rechten Straßenseite, etwa 100 Meter vor dem "Mercure Hideaway".
Hier arbeiten unterschiedliche Thai, die ihre Sache allesamt sehr gut machen. Bei speziellen Leiden springt "May" selbst ein. May spricht auch ein wenig Englisch, ausreichend, um sich einigermaßen verständigen zu können und richtig behandelt zu werden.
Nachdem ich nach der ersten Massage wieder Luft bekam, fragte ich May, ob sie eine Idee hätte, wo ich sehr ruhig wohnen könne. (Kleiner Einschub; gerade kam eine Thai an meiner Hütte vorbei; mit Früchten in der Hand. Sie sah mich, kicherte - und reichte mir eine der Früchte. Keine Ahnung, was es ist; ich werde das Ding gleich mal schälen und reinbeißen.)
Natürlich wusste May Rat. Bei Thais ist es grundsätzlich so: Jeder kennt jeden; und jeder hat ein paar mehr oder minder gute Empfehlungen in petto. "You want to see ?", fragt mich May. Klar wante ich.
May führt mich aus ihrem Laden, nur ein paar Meter die Straße entlang. Wir stehen vor einer Art Baumarkt mit Baustoffhandel; alles recht klein, aber alles da. Baumarkt ? Eigentlich suche ich eine Bleibe, die ich mir nicht vorher selbst zusammennageln muss. Ob mich May vielleicht doch falsch verstanden hat ?
Wir betreten den Baumarkt, eine mittelalte Thai hockt hinter einem Schreibtisch. May und die andere Thai wechseln ein paar Worte, dann nimmt mich May an der Hand und führt mich über kleinere Geröllhalden hinter den Baumarkt. Hinter einem kurzen Trampelpfad schließt plötzlich ein tropischer Garten an, umgeben von elf kleinen Holzhütten auf Pfählen.
Eine Thai wartet schon auf uns - dieselbe Thai, die mir vorhin die Frucht schenkte. Sie spricht kein Wort Englisch, aber lacht die ganze Zeit. Sie zeigt mir Hütte Nr. 7: Ein paar Holzstufen führen nach oben auf die Veranda. Grobe Holzbretter, ein nicht minder grober, kleiner Tisch, ein Holzhocker und eine breite Holzbank, auf der es sich nachts wunderbar liegen lässt. Das Innere der Hütte besteht eigentlich nur aus Bett; viel mehr passt nicht hinein - die Grundfläche mag etwa 3,5 x 3,5 m betragen; also nicht gerade geräumig. Aber ich mag kleine Räume, außerdem bin ich allein, brauche nicht viel Platz. Es gibt einen Ventilator, einen unnützen kleinen Fernseher und eine betagte Klimaanlage über dem Bett. Klar, alles ist hier über dem Bett. Eine Tür gibt den Blick in's Bad frei: Grün gestrichener Betonboden, ein Klo, ein Handtuchhalter, ein winziges Waschbecken - alles offen, nur ein Wellplastikdach schützt vor Sonne und Regen. An der Wand ein Durchlauferhitzer und ein Duschkopf. Duschkabinen gibt es hier nicht. Man stellt sich einfach mitten ins Bad und duscht; das Wasser läuft gemächlich in ein Loch in der Ecke.
Ich nehme die Hütte. Sie ist recht teuer, 600 Baht pro Tag, also etwa 12 Euro. Soll ja nur für den Übergang sein, also stimme ich zu. Aber ich werde hier bleiben, da es genau das ist, was ich suchte.
Nun ja; FAST genau das, was ich suchte. Eigentlich wollte ich eine Hütte am Meer haben. Ich frage nach einer Hütte am Meer, ernte verständnislose Blicke. "Alles voll", nehme ich an. Ich irre mich: Es gibt einfach keine Hütte am Meer, wie ich später feststelle: Das Meer hat hier keinen Strand, die Vegetation wächst einfach bis ans Wasser. Daher auch keine Hütte mit Meerblick. Aber nachts höre ich das Rauchen der Wogen. Auch fein.
Wie ich schon schrieb, war und bin ich der einzige Gast der kleinen Anlage, die sich stolz "Bailan View Resort" nennt.
Kein Wunder, dass ich der einzige Gast bin: Wer kommt schon auf die Idee, im Baustoffhandel nach einer Bleibe zu fragen ?
Es gibt noch einen weiteren Zugang; genau gegenüber einer "Muay-Thai"-Schule, in der man Thaiboxen erlernen kann. Kaum jemand verirrt sich dorthin, obwohl die Muay-Thai-Schule ein echter Geheimtipp ist; aus anderen Gründen. Also verirren sich auch keine Gäste ins "Resort".
Ich verwüste die Hütte durch simples Abstellen meiner Sachen, hänge das Vorhangschlösschen vor und marschiere zurück zu May, frage sie, wo ich etwas essen könne - "no Falang food". Sie deutet auf eine kleine Holzhütte gleich neben ihrem Laden; ein altes Thai-Pärchen liegt dort auf einem Holzgitter und schläft.
Das ist übrigens so üblich: Wenn man in einem kleinen Dörfchen einen Laden betritt und niemanden sieht - einfach weiter in den Laden vorwagen; irgendwo liegt ganz sicher ein Thai auf dem Boden und pennt, wacht aber auf, sobald man sich nähert.
Ich tapse hinüber, die ältere Thai erwacht, grinst mich an. Es gibt keine Speisekarte; die Thai deutet auf diverse Enten und Hühner, die ausgeweidet vor dem Lädchen hängen. Ich frage: "Pad Thai" ? - Also nach dem inoffiziellen Nationalgericht.
Auch wenn ich mich wiederhole: Pad Thai besteht aus Mungbohnenkeimen (die wir meist falsch als "Sojasprossen" bezeichnen), Thai-Gemüse, Reisbandnudeln, zerstoßenen Erdnüssen und vielerlei weiteren Zutaten. Es schmeckt leicht säuerlich, eine halbe Limone zum Nachsäuern liegt immer dabei. Pad Thai ist deswegen das "inoffizielle" Nationalgericht, weil es eigentlich aus China stammt. Deswegen ist Pad Thai auch eines der wenigen Gerichte, zu denen in Thailand meist Stäbchen gereicht werden.
Und Pad Thai ist unglaublich lecker - und meist das billigste Gericht auf jeder Speisekarte; wenn es denn eine Karte gibt.
Die ältere Thai gibt mir mit ein paar englischen Brocken sowie Händen und Füßen zu verstehen, dass sie zwar Pad Thai anbieten, es aber ein Restaurant in der Nähe gäbe, das viel besseres Pad Thai zubereite.
Nanu ? Ein kleiner Esstempel empfiehlt mir ein anderes Restaurant ? Das gäb's bei uns nicht. Ich lasse mir den Weg beschreiben, höre immer wieder "Muay Thai". Aha, das Restaurant muss also in der Nähe dieser Muay-Thai-Schule liegen. "Very good" höre ich immer wieder.
Ich bedanke mich und mache mich auf die Reifen; es sind nur ein paar Meter. Von der Hauptstraße biege ich links ab, entdecke bei der Gelegenheit auch den zweiten Zugang zum Resort. Die Thaiboxschule liegt rechts, ich fahre noch ein Stückchen die Straße hinunter. Da ! Ein Restaurant, auf Stelzen direkt über das Meer gebaut. Es sieht absolut verlassen aus; davor steht ein Schild. "Now open". Ah, ja...
Ich betrete das Restaurant, finde keine Menschenseele. Nur ein paar vergilbte Speisekarten. Pad Thai steht nicht darauf. Hmmm...
Ich folge der Straße um eine Kurve, die Straße verwandelt sich in eine Sandpiste. Bis zum Ende gurke ich hindurch; hier wohnen nur Thai, aber keine Restaurants.
Und wieder einmal glaube ich, dass mich die Thai nicht richtig verstanden hat; oder umgekehrt. Ich drehe um, möchte noch einmal nachfragen.
Mein Blick streift kurz die Muay-Thai-Schule; nanu, was ist das ? Da steht doch ein Kessel davor. Jetzt sehe ich auch die kleine Tafel, auf der mit Kreide ein paar Gerichte aufgezählt werden. Ach, SO ist das ! Zur Kampfkunstschule gehört ein kleines Restaurant, das gar nicht weiter auffällt - ich hatte es komplett übersehen.
Eine Thai-Oma steht hinter dem Kessel, lächelt mich an. Ich lächle zurück, verneige mich, frage "Pad Thai" ? - Sie nickt heftig und meint: "Sit."
Ich sitte mich, fische mir zuvor eine Dose Eistee aus dem Kaltmacher an der Wand.
Seltsam; jetzt hocke ich also in einer Kampfsportschule - und soll hier gut essen können ? Warten wir's ab.
Um es kurz zu machen: Ich bekomme das beste Pad Thai, das ich je gegessen habe. Frisch, knackig, gutes Fleisch, durch und durch lecker. Ich zwinge mich dazu, nicht noch den Teller abzulecken, bringe das Geschirr wieder zur Thai-Oma, die sich sichtlich darüber freut. Ich freue mich auch; über das leckere Essen und den guten Preis: Mit zwei Getränken bezahle ich 80 Baht; 1,60 Euro.
Dieses kleine Restaurant hat mich nicht zum letzten Mal gesehen.
Und es soll dabei bleiben: Ich probiere noch viele Pad Thai an allen möglichen Stellen der Insel; aber das kleine Muay-Thai-Restaurant bleibt ungeschlagen. Hier schmeckt einfach alles.
Und jeden Morgen begrüßt mich die Thai-Oma freundlich, wenn ich auf mein Moped steige und losknattere. Sie ist übrigens die Mutter des Schulenbetreibers.
Der Essensgeheimtipp steht damit absolut felsenfest: Die Muay-Thai-Schule in Bailan Bay.
Ich knattere gen Norden, erreiche Lonely Beach, fädele mich durch die Massen absolut individueller Touristen in absolut identischer Kluft, lasse Lonely Beach hinter mir. Es geht wieder durch den Dschungel, bergauf und bergab. Gelobt seien die Scheibenbremsen.
Ich durchquere mehrere kleine Örtchen, in denen es durchaus touristisch, aber deutlich ruhiger zugeht, erreiche Klong Prao, sehe Elefanten im Nebel etlicher Feuer, es geht weiter bis White Sands.
White Sands, der Hauptort der Insel, ist die reinste Kirmes. Nippesbuden an beiden Seiten der hier recht breiten Straße, es wimmelt und quirlt vor Touristen in T-Shirts mit coolen Sprüchen und langen Shorts. Der Verkehr stockt wegen der Menschenmassen, es geht nur im Schritttempo vorwärts.
Endlich liegt der Ort hinter mir, die Straße windet sich nun in Serpentinen den Berg hinauf. Zwischendurch sehe ich zwei mit qualmender Kupplung liegengebliebene Autos. Ist da mal wieder jemand im dritten Gang gefahren?
Nach einer weiteren Haarnadelkurve gibt es links einen schmalen, mit Geröll bedeckten Streifen. Ich mache Pause, schütte etwas Cola in mich hinein und knipse ein Foto. Ein Minibus mit Japanern kommt vorbei. Die Japaner sehen mich fotografieren; ich höre ein kurzes Kommando, der Minibus kommt mit quietschenden Reifen zum Stehen, setzt zurück und parkt halb auf dem Geröllstreifen. Etwa 10 Japaner mit umgehängten oder implantierten Kameras fluten aus dem Minibus, alles schnattert durcheinander, knipst wie irre. Klar; die sahen mich da stehen und gingen davon aus, dass es sich um einen besonders begehrten Aussichtspunkt handeln müsse. Der nächste Minibus hält, die nächste Fuhre Japaner, die mit der ersten um die Wette knipst. Ich werde zum beliebtesten Motiv, da es sonst ja auch nichts weiter zu sehen gibt.
Als der dritte Minibus hält und die halbe Straße blockiert, wird es mir zu viel. Ich winke und fahre weiter. Vermutlich wird einer der Japaner an dieser denkwürdigen Stelle demnächst ein Hotel errichten. Mit einer Statue von mir davor: "Der Entdecker"
Verrückte Welt... :D
Es geht abwärts, die Straße mäandriert auf ein kleines Dörfchen zu. Besonderheit: Es gibt hier eine Kreuzung.
Ich lasse das Dorf hinter mir; nach einer saftigen Steigung und kräftigem Gefälle erreiche ich den kleinen Fährhafen, danach die Ostküste. Hier ist kaum noch Verkehr, ich sehe nur noch selten einen Falang. Die Ostküste steht nicht so hoch im Kurs, da es hier halt keine echten Sandstrände gibt. Dafür Natur und ganz viel Ruhe; bis auf eine Stelle.
Ich schaue mir ein paar Resorts an; einfach aus Neugierde. Ein riesiges Schild "Pool" erweckt meine Aufmerksamkeit; ich fahre mal hin, finde eine Angestellte neben einem Fischteich. "This is your pool ?" frage ich und deute auf den grünbraunen Tümpel. Die Dame reißt die Augen auf, lacht sich dann kaputt. "No, not for tourist. It's pool for fit !" ("Fit" sagen die Thai, wenn sie "Fisch" meinen.)
Ich kichere ein bisschen mit, schaue mir dann den "echten" Pool an. Das Schild war größer.
Ich komme an ein paar jüngeren Thai vorbei, die betont unauffällig tun, sich ständig völlig diskret umschauen. Ich latsche nahe vorbei, schnuppere.
"Ah, Thaigrass ! Smells good !" grinse ich die drei Jungs an, die gerade heimlich kiffen. Die drei erschrecken zuerst, fangen dann aber an zu lachen. "You want smoke, too ?", fragt mich einer der drei. Ich lehne dankend ab, wünsche den dreien noch einen feinen Tag.
Sie sind erleichtert und winken mir hinterher.
Zurück auf die Hauptstraße, Richtung Süden, schnurstracks geradeaus. Mein Scooter schafft mehr als 100 km/h; cool.
Ein vorbeifliegendes Schild fesselt meine Aufmerksamkeit: Ein riesiger Revolver. Nanu, was ist das ?
Ich drehe, rattere gemächlich auf ein größeres Grundstück. Überall Plakate mit Waffen darauf. Sogar ein Tontaubenschütze wird dargestellt.
Kann man hier etwa... ?
Ich muss es wissen. Eine Runde Tontaubenverfehlen wäre jetzt gar nicht schlecht. Da ist eine Schranke, zu. Aber man kann seitlich dran vorbeifahren. Ich mache das einfach mal.
Ein junger Thai kommt auf mich, fuchtelt mit den Armen. "Cloooosed, cloooosed !"
Ich stelle den Motor ab, gebe ihm zu verstehen, dass ich nur mal schauen möchte. Das ist in Ordnung. Gleich beginnt er, die unzähligen Möglichkeiten anzupreisen, die mich hier erwarten, wenn der Laden am nächsten Tag wieder geöffnet sei. Ich könne Pistole und Revolver schießen, sogar AK 47, also russische Armeemaschinenpistolen. Habe ich schon, in Deutschland. Recht langweilige Knarren ohne den rechten "Bumms".
Ich frage nach Tontauben, er weiß nicht, was ich meine. Also hole ich das Handy hervor und zeige ihm ein Video von mir am Tontaubenstand.
Er versteht, die Sonne geht im Gesicht auf. "That's you ?" - "That's me."
"Ohhhhh", meint er, "I thought you normal tourist."
Dann erklärt er mir hinter vorgehaltener Hand, dass die ganze Anlage nur für Touristen geschaffen sei. Er kann nicht verstehen, dass es so viele Idioten gibt, die für ein paar Schuss mit dem Kleinkaliberrevolver Unsummen ausgeben. Und sich dabei in martialischen Posen fotografieren lassen. 10 Schuss kosten 2000 Baht, etwa 40 Euro. Kosten der Munition: Etwa 20 Cent; wenn man teuer einkauft.
Wir lachen uns gemeinsam kaputt.
Er meint, ich könne am nächsten Tag gerne wiederkommen; es sei ziemlich lustig, wie sich die Touries zum Affen machten. Ich als Profi dürfe auch kostenlos schießen. "No pobem !"
Ich weiß noch nicht genau, ob ich mir das antue, sage ihm das. Wir plaudern noch ein bisschen mit Händen und Füßen; dann gurke ich weiter. Tontauben gibt's hier nämlich nur auf Plakaten. Schade, eigentlich. :)
Und jetzt muss ich zur Party an der Tauchschule in Bang Bao; es ist kurz vor 19 Uhr, ich soll zwischen 19 und 20 Uhr da sein. Also los ! :)
Oh, Mist... Das WLAN im "Resort" ist ausgefallen; ich kann derzeit nix hochladen. Also später - oder morgen. ;)
Es ist Morgen; eigentlich fast schon Mittag. Die Party an der Tauchschule ging bis kurz vor Mitternacht. Es gab ordentlich zu essen, zu trinken und reichlich kK - komplizierte Kommunikation. Da saßen Leute aus England, Frankreich, Italien, Australien, Neuseeland, Russland, Thailand und - wer hätte das gedacht - Deutschland an einem Tisch. Hier geht das, in der Politik nicht. Wir quasseln auf Englisch, garniert mit brockenweise Russisch, Deutsch und allem anderen, was irgendwie nach Sprache klingt. Wichtigstes Kommunikationsmittel: Die Hände. Manchmal wird auch übersetzt: Von Russisch in Thai in Englisch und umgekehrt. Das Stille-Post-Prinzip wirkt und sorgt für reichlich Fragezeichen im Gesicht und endloses Gelächter. Ich sitze am Kopf des Tisches, links neben mir Georgy aus Russland, rechts neben mir seine 88-jährige Mutter, mir gegenüber seine Schwester. Familientreffen. Georgy lebt schon seit acht Jahren in Thailand, ist Tauchausbilder, seit vielen Jahren mit einer etwas älteren Thai zusammen. Er spricht recht gut Thai und kann auf Deutsch bis 30 zählen. Seine Mutter hat eine Freundin in Deutschland, mit der sie sich oft Briefe hin und her schreibt.
Alle Falangs am Tisch haben Thai-Freundinnen. Ich werde natürlich gefragt, ob ich ebenfalls schon eine Thai gefunden hätte. Ich verneine. Weit aufgerissene Augen rundum, fast breitet sich so etwas wie Entsetzen aus. Sofort erhebt sich ein vielstimmiges Geschnatter auf Thai, von dem ich kein Wort verstehe, aber dennoch genau weiß, worum es geht - die Inhaberin der Tauchschule übersetzt das Eine oder Andere für mich: Meeensch, dieser nette Falang aus Deutschland - keine Thai-Freundin ? Um Gottes Willen, wie kann denn so etwas passieren ? Da muss aber ganz, ganz schnell Abhilfe geschaffen werden ! Man berät rundum, welche Frau wohl wie geschaffen für mich sei. Zwei Thaidamen am Tisch fühlen sich berufen, lächeln mich an und wetteifern mit ihren Englischkenntnissen um meine Aufmerksamkeit. Ich fühle mich geschmeichelt, aber auch etwas unbehaglich: Ich möchte niemanden vor den Kopf stoßen, will aber halt einfach nicht. Ja, das kennt man hier wohl nicht, dass ein Falang mal keine Lust auf eine Thaifrau hat. Umso interessanter werde ich natürlich. :/
Irgendwann akzeptieren die Herren und Damen meine Einstellung. Nun ja, fast... Denn man kommt überein, dass einfach noch nicht die richtige Frau für mich dabei gewesen sei. Morgen werde man sich noch einmal zusammensetzen und eine perfekte Lösung finden. Schließlich geht das doch nicht, ein Falang ohne Thaifrau !
Ich grinse freundlich wie die Geister bei Pacman, nachdem Pacman gerade die dicke Pille geschluckt hat.
Echt, ich finde das sehr, sehr nett und fürsorglich - aber es ist nun einmal nicht nötig. Schließlich kenne ich so eine nette und hübsche und kluge Geisha in Blau aus Deutschland.
Ich muss mich morgen unbedingt um jedes Treffen drücken. Gar nicht so einfach; jetzt, da ich auf der Veranda rumlungernd diese Zeilen schreibe, kam schon die erste SMS - wo ich denn bliebe. Die habe ich einfach nicht gekriegt. :)
Zu den teils etwas seltsam anmutenden Verquirlungen zwischen Falangs und Thaifrauen und zum Thema Prostitution gibt's im nächsten Eintrag mehr. Ich habe mich nämlich rundum schlau gemacht - direkt an der Quelle. :D
Zurück zum Ausflug !
Ich gurke die Küstenstraße weiter entlang, mache zwischendurch Pause an einer Art Rastplatz. Hier gibt es Steinbänke mit Blick auf das Meer. Ich raste, nehme auf einer Steinbank Platz und blicke auf das Meer, wie es sich gehört.
Danach zwinge ich die 135 Kubikzentimeter der Yamaha wieder über den Asphalt, bestaune die Hauptpolizeiwache der Insel, die sinnvollerweise gute 30 Kilometer von den Hauptunruhezentren (natürlich White Sands und Lonely Beach) der Insel entfernt ist. Auch die Gemeindeverwaltung und eine Klinik gibt es hier.
Ich habe keinen Helm auf, bemerke das erst, als die Polizeiwache schon in Sicht kommt. Mist, aber es wird schon kein Polizist draußen sein.
Ein Polizist steht draußen und raucht. Mist ! Er sieht mich, grinst mich an, schlägt die Hacken zusammen und salutiert lachend ! Ich hebe die rechte Hand zum militärischen Gruß zackig an den nicht vorhandenen Helm, grinse zurück und winke. Der Polizist winkt zurück. Alles gut. :)
Irgendwann biege ich von der Hauptstraße auf eine Schotter- und Sandpiste ab, rumpele durch Bananenfelder vor dem Hintergrund eines eindrucksvollen Berges, zwinge den Scooter weiter in die Walachei. Mittlerweile tut mir der Hintern weh, trotz der gut gepolsterten Sitzbank. Ganz schön sogar. Nein, nicht schön.
Plötzlich endet der Feldweg; am Ende hocken vier Thai um ein kleines Feuer herum, mitten in einem Feld mit seltsam aussehenden Grünpflanzen. Oha ! Eine Marihuanaplantage ! Sofort kommen mir Szenen aus diversen Filmen wie "The Beach" in den Sinn: Touristen, die versehentlich auf so eine Plantage stießen und sofort von Einheimischen mit Maschinenpistolen niedergemäht wurden. Mir wird ein wenig mulmig, ich fahre aber dennoch weiter. Jetzt abzuhauen wäre dämlich; die Thai kennen sich hier viel besser aus, kommen mit Sicherheit auch besser mit den Tücken des Feldweges zurecht. Gesehen haben sie mich sowieso. Also ab nach vorne !
Ich erreiche das kleine Feuer, zwei Thai rauchen gerade eine dicke Tüte. Man schaut mich an, lächelt freundlich, sagt "Sawadikaaaap" (Tach, auch!). Ich lächle ebenso freundlich zurück, grüße ebenfalls. "You want smoke ?", fragt mich einer der Thai, reicht mir die Tüte. Ich grinse und lehne ab: "Motorbike, not good". Die Thai kichern; klar, ein Falang kriegt das nicht hin, bekifft Mopedfahren. Sie zucken mit den Schultern, ich mache das auch, wir lachen alle. Der Thai zeigt auf die Tüte: "Very good. We make myself !" Ich glaube es ihm, drehe aber dennoch um, grüße mit dem Thaigruß und rolle langsam an. Die Thai grüßen mich zurück, winken zum Abschied.
Ich bringe eine Kurve zwischen uns. Keine Maschinenpistolengarben, keine Drohungen. Nö; nette Thais. Scheiß auf die Filme ! ;)
Aber dennoch nehme ich mir vor, ein bisschen vorsichtiger zu sein.
Die Hauptstraße hat mich wieder.
Es geht weiter Richtung Süden; nichts Weltbewegendes passiert. Ich genieße die Fahrt, den kühlen Fahrtwind, die Landschaft um mich herum, die von Bergen dominiert wird. Alles ist grün und bunt vor Pflanzen, es ist, als würde man durch einen tropischen Garten fahren. Und genau das mache ich ja auch. Falangs sehe ich schon lange nicht mehr, werde in so mancher kleinen Ortschaft eher staunend wahrgenommen, höre manchmal ein leises "Daaaaa, Falang !"
Fast am Ende der Insel angekommen, finde ich einen Abzweig nach links. Wohin es geht ? Nach links. Also mal schauen, was da links so ist.
Die Straße wird schmaler, bis sie nur noch aus einem etwa zwei Meter breiten Betonstreifen besteht. Irgendein Resort soll in dieser Richtung liegen, meinen ein paar selbstgemalte Schilder. Gut; wo ein Resort, da auch ein Weg. Bis ich auf ein Warnschild in Thai stoße; rot und weiß gestreift, schwarze Schrift. Nanu ? - Die nächste Kurve nehme ich besonders vorsichtig. Gute Idee; immer, auch hier: Da war wohl mal eine Brücke, die jetzt nicht mehr da ist. Allerdings hat man flugs einen Ersatz aus Holzbohlen daneben zusammengenagelt. Ich schaue mir die Konstruktion genauer an. Ob DAS hält ? - Nur eine Möglichkeit, das herauszufinden: Drüber !
Es rumpelt, es schwankt, es knarzt. Und hält.
Das Sträßchen schlängelt sich den Berg hinauf, ich passiere so etwas wie einen Aussichtspunkt mit Büdchen nebenan. Und abwärts; der kühle Fahrtwind tut unglaublich gut. Ich schaue in den Rückspiegel, sehe mich selbst und sehe Rot. Schöner Mist; heute morgen den Sonnenschutz vergessen ! Schweren Herzens entscheide ich mich zur geistig-moralischen Wende: Entweder umkehren oder den Rest des Urlaubs als Pellkartoffel durch die Gegend latschen.
Ich kehre um, mache bei dem Aussichtspunkt Halt. Eine wacklige Holzkonstruktion über einem Abgrund macht einen wenig vertrauenerweckenden Eindruck. Aber darüber ist ein Dach. Und wo Dach ist, ist auch Schatten.
Ich gehe zum Büdchen, wechsle ein paar Worte mit einer Thai-Oma, die kaum noch Zähne hat, aber auch ohne freundlich lächelt. Ich kaufe eine Cola und eine Packung Sauerrahmchips, die Thai ermuntert mich, unter dem Dach Platz zu nehmen. Es schwankt und knarzt; wie die Brücke. Ich gewöhne mich dran. Fast.
Zwei weitere Falangs treffen ein, ein Pärchen, das genauso rot im Gesicht ist wie ich. Auch die beiden kaufen etwas zu trinken, marschieren dann auf meinen bedachten Sitzplatz zu, setzen einen Fuß auf die sofort um einige Zentimeter nachgebende Holzkonstruktion, verharren, schauen sich an - und ziehen es vor, sich etwas abseits auf einen Stein zu setzen.
Feiglinge. Oder einfach nur vernünftig. :)
Google Maps verrät mir, dass ich nicht viel verpasst habe: Nach meiner Wende verläuft das Sträßchen noch ein paar hundert Meter weiter geradeaus, endet dann im Nirgendwo. Vermutlich bei diesem Resort, von dem die Schilder kündeten.
Ich rolle zurück zur Hauptstraße. Die Sonne ist mittlerweile auf der anderen Seite Changs angekommen, die Berge werfen angenehmen Schatten. Schattige Stellen durchfahre ich langsam, nach wie vor versonnte Abschnitte durchheize ich mit Vollgas; bis zur Panikbremsung vor der nächsten Brücke. Ein am Wege lungernder 7-Eleven-Supermarkt hat ein paar kühle Getränke für mich; ich bekomme fast einen Herzstillstand, als ich von der Sonne aufgeheizt in den per Klimaanlage auf gefühlte -273 °C abgekühlten Verkaufsraum platze. Es gibt Cola und eine GSM-Karte für mein Nexus 7. Die Cola trinke ich selbst.
In der Abenddämmerung komme ich wieder in Bailang Bay an, stelle mein Moped ab. Jetzt eine Dusche !
Mein Blick fällt nach rechts auf die Muay-Thai-Schule.
Scheiß auf die Dusche ! Jetzt erst mal ein Pad Thai ! :)
![]() |
| Die geheimnisvolle Frucht |
![]() |
| Multinationale Party an der Tauchschule; Georgy in Quietschgelb |
![]() |
| Und Mutter ist auch dabei ! |
![]() |
| Blick von meinem "Rastplatz" mit Japan-Anschluss |
![]() |
| Mündung eines der zahlreichen Flüsschen ins Meer |
![]() |
| Rastplatz mit Bank und Meerblick |
![]() |
| Eine gerade Straße - gibt's nur im Osten |
![]() |
| Schleichweg zur Grasplantage |
![]() |
| Spannende Brücke |
![]() |
| Hübsche Aussicht im Südosten Changs |
![]() |
| Picknicktisch auf wackliger Holzkonstruktion über Abgrund |
![]() |
| Ein Bett - und das wars |
![]() |
| Veranda mit Aussicht |
![]() |
| Die Muay-Thai-Schule mit dem besten Restaurant ... |
![]() |
| ... und dem besten Pad Thai der Insel |



~01.jpg)
~01.jpg)

~01.jpg)

~01.jpg)
~01.jpg)
~01.jpg)
~01.jpg)

~01.jpg)

Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen