Ich muss weg...
Fremde Länder, andere Sitten und Gebräuche, bedenken wir das Kuddelmuddel ruhig mal mit der Worthülse "Kultur" - alles schön und gut; aber nach fast einer Woche geballter Kultur habe ich das Näschen ein wenig obervoll: Ich bin reif für die Insel.
Holger und Neung auch; aber die können nicht weg. Ich schon. Also haue ich jetzt in den Sack und ab.
Natürlich nicht ohne Schwierigkeiten...
Meine Bank hat wieder mal meine Kreditkarte freigeschaltet, weil die Karte wieder mal bereits beim Einlesen in den Geldautomaten gehimmelt wurde, ich mal wieder die PIN falsch eingegeben hätte, obwohl ich gar nicht erst bis zu PIN-Eingabe kam.
Am Abend funktionierte die Karte; ich nahm diesmal den Automaten, an dem sie zuvor auch schon einmal nicht die Arbeit verweigerte: Anscheinend der einzige Automat in Vientiane, der meine Karte nicht frisst.
1 Million KIP greife ich mir - ich bin Millionär ! Umgerechnet 100 Euro.
Ich habe ein blödes Gefühl, also schleiche ich mich zu einer Art Untergrundladen, der alles anbietet, was man sonst nur schlecht bekommt (z. B. Blättchen zum Zigarettendrehen) und unter der Hand auch eine illegale Wechselstube betreibt, deren Kurse erstaunlicherweise gar nicht mal so übel sind.
Ich tausche meine Kip in Dollar; sicherheitshalber: Mit Kip kann ich in Thailand nichts anfangen, Euros werden oft nicht genommen, Dollars aber fast immer.
Im Hotel plaudere ich ein Viertelstündchen mit dem Rezeptionisten; er beschafft mir ein Taxi zum Grenzübergang an der "Friendship Bridge". Diese Brücke der Freundschaft verbindet Laos über den Mehkong mit Thailand. Und weil hier alle Freunde sind, spannt man den Stacheldraht nur 5 statt 6 Meter hoch und schießt mit Kalaschikows statt mit dem G3.
Die Android-App "Skyscanner" ist so nett, mir Flugzeiten und Preise zu verraten, buchen kann ich auch gleich.
Und wie so oft in Asien, lohnt es, sich das Angebot in Ruhe und sehr genau anzuschauen: Buche ich von Vientiane in Laos bis nach Trat in der Nähe von Koh Chang, kostet mich das Ganze 209 Euro (15 Stunden Reisezeit) bis 643 Euro (dafür mit 37 Stunden Reisezeit). Nein, kein Scherz: Je länger man irgendwo untätig herumgammeln muss und zusätzliche Übernachtungs- und Bewirtungskosten anfallen, desto teurer wird der Flug. Logisch, oder ? :D
Zweite Möglichkeit: Ich gurke mit dem Taxi zur Grenze, siedle nach Thailand über, lasse mich vom nächsten Taxi nach Udon Thani bringen (dauert insgesamt etwa 1,5 Stunden) und fliege von dort ab.
Buche ich nun Udon Thani > Trat, kostet mich das zur gewünschten Reisezeit etwa 180 Euro; ich muss einmal in Bangkok umsteigen.
Dritte Möglichkeit: Ich buche haargenau dieselben Flüge wie bei Möglichkeit 2, allerdings einzeln statt im Paket - und zahle 100 Euro.
Verrückte Welt, nicht wahr ?
Ich buche - völlig überraschend - getrennt. :)
Das heißt... Ich will buchen; aber Mastercard oder meine Bank wollen das nicht.
Zuerst geht alles gut: Flug 1 ausgesucht, Kreditkartendaten eingetippt, alles mögliche und unmögliche bestätigt, Platz reserviert, dann der Abschluss der Transaktion. Und urplötzlich blendet sich ein Fenster mit dem Volksbank-Logo ein. Da steht, dass man noch ein tolles Angebot für mich hätte: Mastercard® SecureCode™. Oh, oh... Ein Begriff mit "®" und "™"; da läuten bei mir schon wieder alle Alarmglocken.
Meine Bank bietet mir freundlich an, meine Transaktionen noch sicherer zu machen - indem sie mir die Möglichkeit offeriert, jede einzelne Transaktion mit einem zusätzlichen Sicherheitscode zu bestätigen, der mir per SMS zugesandt wird.
Ah ja, sehr klug. Um an diesem Verfahren teilnehmen zu können, muss ich mich in Deutschland anmelden, meine Handynummer angeben und ein paar Tage auf einen Brief mit einem Freischaltcode warten.
Ich überlege... Eben nach Deutschland zurück, nach einer Woche mitsamt Freischaltcode im Gepäck wieder nach Vientiane ?
Hmmm... Schon sehr reizvoll und unkompliziert. Aber dennoch entscheide ich mich dagegen. Ich bin halt nicht so für die einfachen Dinge.
Staunend lese ich noch, dass ich nach der Freischaltung auch eine andere Handynummer registrieren kann, ein praktisches Eingabefeld prangt auf dem Bildschirm.
Das ist echt klug gemacht. Wenn mir jemand im Urlaub meine Sachen klaut, muss er nur einen Flug oder etwas anderes im Internet buchen - schon bekommt er die Möglichkeit, seine eigene Handynummer anzugeben und kriegt den absolut sicheren SecureCode™ auf ein Handy seiner Wahl geschickt und kann sich als Dieb stets perfekt legitimieren und mein Konto abräumen. Mist, dass ich diese sichere und durchdachte Sache nicht nutzen kann.
Gut, ich möchte meine Buchung abschließen; die SecureCode™-Sache ist ja freiwillig; wenn ich das nicht will, trage ich einfach nichts ein und tippe auf "Weiter"; so steht's schließlich da.
Ich trage also einfach nichts ein und tippe auf "Weiter". Dann trage ich noch einmal einfach nichts ein und tippe auf "Weiter". Dann tippe ich auf "Weiter", ohne zuvor etwas eingegeben zu haben. Weiter, weiter, weiter.
Es geht nur nicht weiter. Nur dann, wenn man zuvor etwas eingetragen hat.
Ich staune über die neue Freiheit, die mir meine Bank schenkt. Ich habe die Wahl: Ja oder ja. Ich kann mich kaum entscheiden.
Also tippe ich auf "Abbrechen"; ist ja schließlich freiwillig.
Es geht weiter ! Hurra ! Ein neuer Bildschirm erscheint, der mir mitteilt, dass meine Flugbuchung abgebrochen wurde, da ich mich nicht freiwillig für SecureCode™ entschied.
WAS ???
Ein paar Sekunden später rauscht die Bestätigung per eMail ein; von Bangkok Airways: Sitzplatz reserviert, aber Flugbuchung nicht möglich, da die Kohletransaktion abgebrochen wurde.
Ich beginne innerlich gaaaanz, gaaaaanz leicht zu kochen...
Spaß mit der Volksbank, Spaß mit Mastercard.
Ich rufe wie Huhn süß-sauer in Deutschland bei der Volksbank an.
Meine Ahnungen bestätigen sich: Ja, hätte ich mich doch einfach in Deutschland bei SecureCode™ registriert, wäre das doch alles kein Problem gewesen. Jetzt ist es natürlich eins. Warum habe ich mich auch nicht registriert ?
Weil mir keine Sau gesagt hat, dass es so einen Schwachfug überhaupt gibt. Wer rechnet denn mit so einem Unsinn ?
Die Frau am Telefon, die genau weiß, dass ich in Vientiane hänge, sagt mir allen Ernstes, dass ich mich ja jetzt anmelden könne. Der Freischaltcode würde mir dann in ein paar Tagen zugeschickt. "Nach Vientiane ?" frage ich. "Nach Rees" bekomme ich zur Antwort.
Ich komme ganz aus Versehen auf die "Auflegen"-Taste, ehe ich eine Brüllattacke bekomme, die auch ohne Telefon ganz problemlos bis nach Deutschland zu hören gewesen wäre.
Kann mich mal einer zwicken oder mir einen Eimer Eiswasser über den hochroten Kopf kippen ?
Die Dame ruft mich zurück, nachdem ich mich etwas abgeregt habe.
Aber es bleibt dabei. Sie teilt mir mit, dass weder Mastercard® noch Volksbank etwas dafür könnten, damit nichts zu tun hätten.
Ach ja ? SecureCode™ IST von Mastercard®, die tolle Seite zur freiwilligen Entscheidung wurde mir stolz mit dem Volksbank-Logo präsentiert. Aber ok, beide haben nicht das geringste damit zu tun. Glaube ich einfach mal.
Das läge an Bangkok Airways, sagt man mir. Die wären schuld, sonst niemand. Außer mir, natürlich, ich bin ja zu blöd zur PIN-Eingabe. Das sagt sie nicht, das denkt sie nur.
Wir beenden das Gespräch, ich rufe bei Bangkok Airways an.
Da höre ich: "Mastercard SecureCode ? We don't use because it always causes problems. We check your credit card at the Check-In counter to make sure it's really you who booked the flight. Much better."
Also: "Mastercard Securecode ? Nutzen wir nicht, da das ständig Probleme verursacht. Wir lassen uns Deine Kreditkarte am Check-In-Schalter vorlegen und gewährleisten so, dass der Flug auch wirklich von Dir gebucht wurde. Viel besser."
Aha, so ist das... Wer hat jetzt gelogen ?
Ich habe da so eine Idee; aber die verrate ich nicht. :)
Der freundliche Thai bietet mir an, die Buchung telefonisch abzuschließen. Das geht ? Na klar ! Es ist schließlich Thailand. Da geht das.
Wir schließen die erste Buchung ab; ich bitte darum, gleich noch einen zweiten Flug zu buchen. "No pobem !" - Ich muss allerdings dieselben Angaben erneut machen, das System gibt das so vor. Mittendrin höre ich "Pröööött ! Prööööött ! Prööööött !" - Mist ! Mein Guthaben ist aufgebraucht; die beiden Auslandstelefonate haben ordentlich Geld gekostet.
Danke, Mastercard, danke, Volksbank !
Ich schaffe es gerade noch, dem Thai am anderen Ende zu sagen, dass mein Telefonkartenguthaben aufgebraucht ist - schon ist das Gespräch weg; Buchung nicht abgeschlossen.
Ich überlege, ein Loch in die Wand zu kloppen. Mit meinem Kopf. Oder dem des Mastercard-Chefs.
Da macht es Pinggg ! Zwei eMails von Bangkok Airways - beide Flüge gebucht !
Der Thai hat einfach auf die Vorschriften geschissen und meine Kartendaten selbst ergänzt. KLASSE !
Thai Style. In Deutschland undenkbar.
Schade, dass ich den Namen nicht kenne; ich hätte mich gerne noch einmal persönlich bedankt.
Ich gehe schlafen.
Gefühlte zweieinhalb Sekunden später dröhnt der Weckruf aus dem Handy; ich krieche in die Dusche, bin kurz nach Sechs unten am Empfang.
Kein Taxi.
Ich ziehe die Kippenschachtel hervor, will gerade Feuer legen, als ein Laote den Kopf hinter einem Auto hervorsteckt und fragt :"Taxi to Friendship Bridge" ? - He, super, er ist ja doch da !
Wir gurken los; der ältere Herr hat entweder eine erfolgreiche Rennfahrerkarriere hinter sich oder hat als Pilot bei Nok Air gearbeitet: Er heizt wie ein Geisteskranker. Ein bisschen farbenblind ist er auch: Wir nehmen KEINE Ampel bei Grün, auch nicht bei Gelb oder Orange - alle bei Rot. :D
Ich frage nach, ob er mich auch bis nach Udon Thani bringen könne; ich mache mir etwas Sorgen, da mein Flieger schon um 9:40 abdackelt und ich ja zuvor noch einchecken muss. Alles recht knapp kalkuliert.
Klar, kann er. Er ist Thai - und Thai sind geschäftstüchtig. Ein bisschen zu sehr; er verlangt 3500 Baht, also runde 75 Eurocken. Nee, zu viel !
Wir sind doch nicht in Deutschland ! - Ok, in Deutschland hätte mich der Spaß mindestens 300 Ocken gekostet. Aber dennoch.
Es bleibt also bei den 1000 Baht (20 Euro), die wir zuvor ausgehandelt hatten. Auch das war zu viel; aber hier kommt es auf Zuverlässigkeit an, damit die beiden Flüge nicht verfallen.
In Nullkommanix bin ich an der Friendship Bridge, ganz flott die Ausreiseformalitäten, bei denen ich die Formulare wieder nur halb ausfülle; scheint eh keiner zu lesen.
Dann Gebühren: Für die Einreise nach Thailand. Zahlbar in Dollar. Ha ! Den richtigen Riecher gehabt ! ;)
Kurz vor der Brücke spricht mich ein Thai an, der dort herunlungert: Ob ich zufällig ein Taxi nach Udon Thani bräuchte. Ja, ganz zufällig.
Wieder 1000 Baht...
Ich überlege, denn ein Sammeltaxi kostet nur 200 Baht, also gerade mal ein Fünftel. Andererseits bin ich der einzige Falang hier; sonst schwirren hier nur Thais und Laoten herum. Also gut möglich, dass nicht genug Leute für ein Sammeltaxi zusammenkommen. Ich hadere kurz und entscheide mich für meinen Privatchauffeur. Der gurkt mit mir über die Brücke, wartet hinter der Grenzkontrollstation auf mich.
Weiter geht's.
Pünktlich zum Check-In-Beginn sind wir am Flughafen Udon Thani; unterwegs spiele ich entspannt Angry Birds auf dem Nexus.
Dummerweise will der Taxifahrer in Baht bezahlt werden, Dollars mag er nicht. Kann man verstehen: Das Amigeld sieht blöd aus und riecht wie Kuhfladen.
Kein Problem, ich habe doch meine zuverlässige Mastercard.
Wir latschen in den Flughafen, ich suche mir einen ATM einer renommierten Bank, schiebe die Karte ein.
Ich werde gefragt, ob ich meine PIN eingeben möchte. Klar, möchte ich. Also drücke ich "Yes".
Schwarzer Bildschirm, meine Karte wird ausgeworfen, auf dem Bilschirm lese ich, dass ich meine PIN zu oft falsch eingegeben hätte und meine Karte daher aus Sicherheitsgründen gesperrt sei.
Mein Blut verwandelt sich in Nitroglyzerin. Vor meinem geistigen Auge sehe ich mich mit der Flinte mit wutverzerrtem Gesicht auf Tontauben schießen. Auf jeder Tontaube prangen die Gesichter der Bosse von Mastercard und Volksbank. Auf einer Taube steht sogar "SecureCode™".
Ich atme tief durch und wünsche Mastercard die Pest an den Hals. Ooooooommmmmmmmmmm...
Ich stecke die Karte, die ich lieber einem Mastercard-Mitarbeiter ganz woanders hinstecken möchte, in die Tasche.
In einem kleinen Lädchen frage ich mit dutzenden Verneigungen an, ob ich eine Flasche Cola mit einem 100-Dollar-Schein bezahlen könne, man mir das Wechselgeld in Baht auszahlte. Der Verkäufer ist Thai - also geht das.
Puh...
Ich bezahle meinen Taxifahrer, wir verabschieden uns freundlich.
Ab zum Check-In.
Eine kleine Sorge habe ich natürlich; schließlich dürfte der Preisunterschied zwischen Flugbuchung im Paket und separater Buchung einen kleinen Grund haben: Mein Gepäck dürfte in Bangkok ausgeladen und zur Gepäckausgabe gebracht werden. Da müsste ich es mir herauspicken und alles komplett neu einchecken. Das kostet ordentlich Zeit; und ich habe gerade eine knappe Stunde, bis der Anschlussvogel abhebt. Ganz, ganz knapp, vielleicht unmöglich.
Aber da wir in Thailand sind, frage ich die freundliche Thai am Check-In, ob sie mir das Gepäck gleich bis nach Trat durchbuchen könne. Klar kann sie.
Ich freue mich. :)
Der Flughafen ist nach wie vor menschenleer, außer mir sehe ich vielleicht noch zwei weitere Zivilisten.
Ich gehe nach draußen, setze mich auf eine Bank, rauche eine Zigarette und tue einfach sehr intensiv nichts. Gut tut das.
Kurz vor Ablauf der Check-In-Zeit erhebe ich mich. In der gesamten Zeit ist kein einziges Sammeltaxi angekommen. Gut, dass ich mich nicht darauf verlassen wollte.
Ein Thai-Polizist in Uniform steht auf der Straße und langweilt sich. Ich schaue genauer hin: Auf seine Brust hat er sich einen Aufkleber gepappt; diese Dinger, mit denen das Gepäck nach der Durchleuchtung gekennzeichnet wird: "SECURITY CHECKED" prangt in Signalgelb auf der Polizistenbrust. Ich zeige darauf, frage: "Security checked, you sure ?"
Der Thai blickt auf seine Brust, bricht in Gekicher und Gelächter aus. Ich lache eine Runde mit, wir zeigen uns beide "Daumen hoch" und winken.
Ab in den Flieger, die Check-In-Thai hat mir einen Fensterplatz gebucht.
Unspektakulär heben wir ab, schon gibt es Essen. Leckere Sachen, kleine Brötchen mit Streichkäse und ordentlich Wurst, einen Tee dazu, ein Stück leckeren Kuchen und irgendetwas mit Salat, was ich als Carnivore natürlich nicht anrühre.
Nach knapp einer Stunde bin ich in Bangkok, schlendere über die Rollbänder gemächlich gen Gate nach Trat.
Ständig sehe ich die blauen Schilder "Baggage claim", also Gepäckausgabe.
Ob ich nicht doch lieber mal nachschaue, ob mein Rucksack nicht vielleicht doch hier ausgeladen wurde und jetzt bis zur Übelkeit auf dem Band kreist?
NEIN, Du wirst NICHT nachschauen ! Die Thai können das !
Das nächste Schild. Ob ich nicht vielleicht doch...
Ich haue mir selbst auf die Finger. Lass das !
Ein leicht unsicheres Gefühl aber bleibt.
Das Boarding beginnt, wir werden mit einem Bus auf das Rollfeld gefahren. Ein Bus, durch dessen Scheiben man etwas sehen kann; keine Mikrowellenverblendung wie bei den Moslems.
Wir nähern uns der Maschine.
Ja, glaube ich's denn ? - Muss ich wohl. Eine Propellermaschine !
Etliche Kameras, die zuvor um japanische Hälse bammelten, klicken wie irre.
Ok, der Flughafen Trat scheint nicht die längste Rollbahn zu haben.
Also Propellermaschine. Na, wird schon schiefgehen.
Seltsamerweise kann man den Flughafen Trat nur mit Bangkok Airways erreichen; das wunderte mich schon bei der Buchung. Der Flughafen gehört Bangkok Airways; daher.
Der Kapitän latscht auf den Pinn und gibt ordentlich steuerbegünstigtes Kerosin. Ich staune: Der Andruck fühlt sich fast wie bei einem Düsenflieger an; stark, was die beiden Ventilatoren links und rechts an Schub liefern.
Ich versuche, die kinetische Belastung der einzelnen Rotorblätter schnell im Kopf zu überschlagen, lasse das dann aber doch lieber.
Wir heben ab, die Maschine rüttelt und schüttelt sich, kräftige Turbulenzen. Die Fluggäste sind betont still, starren krampfhaft auf ihre Zeitungen, Bordmagazine oder studieren höchst interessiert die Aufschrift auf den Kotztüten, halten sich so stark fest, dass die Fingerknöchel weiß hervortreten. KEINER hat Schiss, natürlich nicht. Genau wie ich.
Reiseflughöhe, es wird ruhiger, die Ablenkung kommt: Die nächste Mahlzeit. Wie eben, nur mit anderem Salat und anderem Kuchen. Beides lecker, denn es war Garnelensalat. :)
Noch'n Tee dazu; ich bin zufrieden.
Wir eiern auf Trat zu, die Maschine setzt auf und hüpft wie ein Flummi über die Rollbahn, Bommpf, Bommpf, Bommpf !
Der Pilot geht in die Eisen, die Maschine wird endlich langsamer, geruhsam geht es auf das Terminal zu. Auf DAS Terminal, denn es gibt nur eins.
Alles sieht freundlich aus, ganz viel Grün, Büsche in der Form von Elefanten. Die Japankameras rattern wie MG-Feuer.
Wir steigen in eine Art Phantasialand-Bus um; offene, lustig bemalte Busse mit Augen und Grinsen im Kühlergesicht, darüber eine Art Baldachin. Ein bisschen albern, aber nett.
Das Terminal ist ein halboffener Raum, links eine Holzplattform; die Gepäckausgabe. Hier dreht sich nix, hier läuft nichts rundum - die Thais wuchten das Gepäck auf die Plattform, jeder nimmt sich, was besonders wertvoll aussieht.
Es dauert aber ein paar Minuten. Ich schlendere auf eine attraktive Thai in Militäruniform zu (erstaunlich, dass Uniformen auch auf mich interessant wirken, nicht nur auf gewisse Damen aus Speldorf) und frage höflich, ob ich zwischendurch raus darf, eine Zigarette rauchen.
Selbstverständlich, sagt sie, sie hätten extra dafür einen kleinen Raucherbereich draußen.
Selbstverständlich darf ich in Deutschland keinesfalls aus dem Hochsicherheitsbereich, selbstverständlich darf man das in Thailand.
Ich gehe raus; der Raucherbereich ist überdacht, es gibt einen Springbrunnen, hübsche Holzbänke, schöne Aschenbecher, jungfräulich mit Muschelsand gefüllt. Ich lasse es mir 10 Minuten gut gehen, gehe zurück ins Terminal, lächle mit der Militärthai um die Wette, greife mir meinen Rucksack - der tatsächlich da ist - und wende mich nach rechts; da ist ein Schalter, an dem ich die Fahrt und Überfahrt nach Koh Chang buchen kann; für eine Handvoll Baht.
Man fragt mich, zu welchem Hotel ich wolle. Ich habe keine Ahnung; einfach in den Süden der Insel. Alles kostet dasselbe. Ich bekomme einen lila Aufkleber auf's Hemd geklebt, ziehe viele Blicke auf mich, als ich unter unterdrückten Schmerzensschreien (dazu später) meinen Rucksack aufsetze und zum Minibus latsche.
Es geht gleich los, zum Fährhafen.
Unser Minibus reiht sich in eine Schlange ein, gerade kommt etwas an, was wie aus Altmetall zusammengeschmiedet aussieht, in aktuellen Rostfarben daherkommt und gefährlich tief im Wasser liegt. Darauf Autos und viele Menschen.
Die Thai nennen es "Fähre".
Nun ja...
Die Fähre dockt krachend an, alles knarzt und schlingert und quietscht.
Die Autos rollen von Bord, die Menschen mit ihnen. Langsam setzen sich die wartenden Reihen in Bewegung, es geht Fahrzeuglänge um Fahrzeuglänge vorwärts.
Jetzt stehen wir ganz vorn.
Wäre es nicht witzig, wenn ausgerechnet vor unserem Minibus dichtgemacht würde?
Als wir an der Reihe sind, wird dichtgemacht. Wir sind das einzige Fahrzeug, das es nicht auf die Fähre schafft. :D
Der Fahrer meint zerknirscht: "Sorry, 30 minutes." Leichter Unmut an Bord, da eben nicht an Bord.
Mich juckt das nicht; ich habe es nicht eilig.
Schließlich habe ich mir die einzige Flugverbindung herausgepickt, die ein Ankommen auf Koh Chang bei Tageslicht ermöglicht. Also reichlich Zeit, mir ein hübsches Plätzchen zu suchen, was nachts verdammt schwierig ist, weil man schlicht nix sieht.
Und diese Zeit soll ich noch bitter benötigen...
Ich beschaffe mir eine Cola und schlendere zu einem kleinen Obstverkauf direkt am Wasser. Extrem stachelige Früchte gibt es zu kaufen.
Ein paar Touristinnen schauen sich die Dinger staunend an.
Ich gebe den wertvollen Tipp, dass man die Früchte etwas leichter herunterbekäme, wenn man sie vorher schält.
Man dankt mir dafür und bewundert meine Klugheit. :D
200 Baht kostet ein Kilo rote Stachelfrucht.
Mehr Touristen gesellen sich zu uns, da man hier nett im Schatten sitzen kann. Es wird langsam voll, was mich stört.
Als der nächste Schwung Touris heranmarschiert, stehe ich auf, zeige auf das 200-Baht-Schild am Obststand und rufe laut in Englisch mit deutlichem Thai-Akzent: "Sitting in the Shadow - 200 Baht !" (Im Schatten sitzen - 200 Baht !)
Weit aufgerissene Augen, Blick auf's Schild - tatsächlich: 200 Baht !
Die Touries hauen wieder ab, ich habe meine Ruhe. :D
Ein Österreicher kriegt das wohl mit und spricht mich dröhnend lachend an. Er heißt Markus, trägt eine grün verspiegelte Sonnenbrille und kommt gerade aus Bangkok.
Da hat er eine Nacht verbracht und die Puppen tanzen lassen. Mehrmals erwähnt er vollkommen unmerklich in einem Hauptsatz, dass er beim Aufstehen erst einmal das Thaimädchen aus dem Zimmer jagen musste.
Mensch, Markus... Ich hab's doch schon beim ersten Mal kapiert, dass Du Dir 'ne Nutte mit auf's Zimmer genommen hast. :)
Ein Franzose aus Marseille kommt hinzu. Er spricht höllisch schnell ein sehr fantasievolles Franzenglisch, das ich sogar fast verstehe.
Er sieht aus wie Jean Reno, nur ein bisschen viel jünger.
Jean und Markus sitzen bei mir im Minibus; als die nächste Fähre endlich herangekeucht ist, steigen wir zusammen nach oben, Jean lädt uns auf ein paar Getränke ein. Wir unterhalten das halbe Deck, anschließend nach dem Anlegen den ganzen Minibus mit unseren Gesprächen und unserem Gekicher.
Jean macht irgendwas bei einer größeren Ölfirma, Markus scheint Verkäufer zu sein, bemüht sich aber, das so zu umschreiben, dass es sehr wichtig klingt.
Beide steigen vor mir aus; ich bin der letzte Fahrgast im Minibus. Nur ich wollte so weit weg in die Pampa der Insel.
Da stehe ich nun: Vor mir ein 7-Eleven, also einer der in Thailand allgegenwärtigen Supermärktchen, in denen man einfach alles bekommt, sogar Socken für Führungskräfte. Allerdings umgibt genau diesen 7-Eleven ein nahezu unfassbares Geheimnis, wie sich später herausstellen soll.
Mir fehlen jetzt ein paar Dinge... Ein Getränk, das hat der 7-Eleven. Geld. Das hat der ATM, gibt es mir aber nicht. Eine Unterkunft. Die hat Koh Chang, sobald ich Geld habe, was ich nicht habe.
Ein fahrbarer Untersatz, damit ich mir Geld und eine Unterkunft beschaffen kann.
Ich frage einen Thai nach einem Mopedverleih: Der Thai zeigt nach links. Ich frage den Thai nach einem guten Mopedverleih. Der Thai kichert und zeigt nach rechts.
Ich schultere den Rucksack, quietsche vor Schmerzen, tappe durch die Mittagshitze Richtung Rechts, komme schweißüberströmt dort an.
Unter leichtem Jaulen setze ich den Rucksack ab, eine freundliche, ständig grinsende ältere Thai kommt auf mich zu, die gerade Wäsche bügelt.
Ich frage nach einem Moped, also nach einem der hierzulande üblichen "Scooter", eine Mischung aus Motorrad und Motorroller, die sich einfach bewährt hat.
Ich möchte ein "strong" Moped haben, da ich auf dem Weg hierher bemerkt habe, dass man auf den Straßen Changs doch ein bisschen mehr Leistung und vor allem Scheibenbremsen braucht.
Hat sie, einen 135er, mit Scheibenbremsen. Ich wusste gar nicht, dass es das gibt.
Sie möchte 3000 Baht Pfand haben. Habe ich nicht. Problem. Danke, Mastercard, danke, Volksbank.
Nach einigem Hin und Her mache ich mit ihr aus, ihr meinen Reisepass dazulassen, bis ich die Kaution habe. Uff. Ich frage nach der nächsten Bank mit Schalter, da meine tolle Mastercard ja nicht an Automaten funktioniert. Nichts in der Nähe, war ja klar.
Ich kaufe zwei Liter Sprit, setze den mir übereichten Helm auf; widerwillig.
Die Verleiherin warnt mich vor den schwierigen Straßenverhältnisse auf Koh Chang. "Many, many accident !" Ich verspreche, vorsichtig zu sein.
Dann gebe ich Gas; auf den ersten Metern noch reichlich unsicher, aber das gibt sich mit der Zeit.
Zu den Straßenverhältnissen sage ich im nächsten Blog-Eintrag ein bisschen mehr. :)
Ich gurke über die Insel, stets auf der Suche nach Banken mit Schaltern. Es scheint keine zu geben; zumindest nicht im Süden der Insel.
Endlich, endlich finde ich eine Art Wechselstube mit dem Mastercard-Symbol und einem Thai in einem Glaskasten.
Als ich an der Reihe bin, schaut er mich zerknirscht an und gibt mir zu verstehen, dass sein Kartenlesegerät kaputt sei. War ja klar...
Also weiter, Richtung Norden, und dann immer alles andere als geradeaus. Wir sind schließlich auf Koh Chang, da gibt's das nicht.
Ich stoße immer weiter in den Norden vor, immer noch keine Bank. Unterwegs kaufe ich für die letzten paar Baht eine Thai-SIM-Karte, damit ich wenigstens Google Maps mit dem Handy nutzen kann und weiß, wo ich bin. Mit der Karte kann man wohl prima telefonieren, nur das Internet funktioniert nicht.
In der Anleitung steht, dass man zum Konfigurieren der Interneteinstellungen einfach eine Internetseite aufrufen soll.
Schön, wenn man ins Internet muss, bevor man ins Internet kann.
Immer wieder frage ich unterwegs nach einer Bank. Immer wieder werde ich staunend gefragt, warum ich nicht einfach einen ATM, also Geldautomaten, nähme. Fragt Mastercard oder die Volksbank...
Ich höre, dass ich wohl bis nach White Sands müsste; das ist fast schon wieder an der Fähre. Ich gurke hin.
Endlich finde ich eine Bank, die Bangkok Bank. Kein Problem, mit der Mastercard Geld abzuheben, sagt man mir. Dazu bräuchte ich nur die Mastercard und... Ja, den Reisepass, der beim Mopedverleih am anderen Ende der Insel liegt.
Ich kann nicht anders; ich muss laut lachen. Flinte, Tontauben, Mastercard, Volksbank. BUMMSPLITTERKRACH !
Ich knattere den ganzen Weg zurück bis zur Südspitze der Insel. Und das zieht sich...
Ich schildere der Mopedverleiherin die Misere; sie zeigt sich verständnisvoll und gibt mir meinen Reispass zurück, verzichtet auf sämtliche Sicherheiten. Ein Glück.
Und wieder zurück bis nach White Sands.
Ich bekomme Geld; fast glaube ich es nicht !
Und wieder ganz zurück bis zur Inselsüdspitze.
Inzwischen ist es dunkel geworden; die Straße erscheint wie ein stetiger Wechsel aus Asphalt und tiefer Schwärze, die nicht von den Scheinwerfern meiner kleinen Yahama erreicht wird. Es fühlt sich ständig an, als würde ich in einen bodenlosen Abgrund fahren.
Der Dschungel erwacht, es kreischt und fiept und tschirpt überall um mich herum. Ich fahre verdammt vorsichtig, rette damit einem Affen das Leben, der mitten auf der Straße hockt.
Nach langer Fahrt erreiche ich mit schmerzendem Hinterteil wieder "Bang Bao", den Ort im Süden der Insel, steuere den Mopedverleih an. Es ist schon verdammt spät.
Zuerst sehe ich meinen großen Rucksack, den ich natürlich dort hinterließ. Dann sehe ich das Gitter, das den ganzen Verkaufsbereich umgibt.
Und den Rucksack.
Der Mopedverleih hat geschlossen.
Flinte, Tontauben, Mastercard, Volksbank...
Ich sehe etwas Licht durch eine Wellblechwand schimmern, hupe ganz zaghaft. Es bewegt sich etwas; die Mopedverleiherin kommt hervor, sieht mich, grinst, holt einen Schlüssel und sprengt die Ketten.
Ich frage, ob sie immer noch arbeitet. Nein, aber sie wohnt hier in der Werkstatt, meint sie.
Ich erzähle, was sich zugetragen hat, übergebe ihr die 3000 Baht und 200 Baht tägliche Mopedmiete; das kann man sich erlauben; runde 4 Euro pro Tag.
Ich frage nach einer Übernachtungsmöglichkeit in der Nähe. Sie überlegt kurz, meint dann, das "Alysia Springs Resort" hätte immer Zimmer frei.
"Resort" ? Das klingt teuer ! Aber was soll ich machen ? Mit dem Rucksack auf dem Rücken durch den Dschungel knattern und überall Klinken putzen?
Nö.
Auf ins "Resort" - und Hallo, Koh Chang ! :)
![]() |
| Mehkong von der "Friendship Bridge" aus |
![]() |
| Die fröhliche Propellermaschine |


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Es ist wirklich witzig. Ich bin auf deinen Blog durch eine Rezension bei amazon gestoßen und da ich vor genau einem Jahr auch in diesen Landen unterwegs war, packte mich sofort die Lust, das zu Lesen und es ist, als würde man es wieder erleben.
AntwortenLöschenDie gesperrte Kreditkarte, die gescheiterte Flugbuchung wegen dem SecureCode, die ladyboys usw.
Einfach herrlich :)))
Super. Selbst hinzufahren kann kaum schöner sein. Ich lach mich schlapp. :-))
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